Ansprache 1. Vorsitzender

Meine Damen und Herren, liebe Sportfreundinnen, liebe Sportfreunde,
anlässlich des Empfangs zum 90. Geburtstag unseres PSV Flensburg darf ich heute als Gäste besonders folgende begrüßen:
Frau Swetlana Krätzschmar als unsere Stadtpräsidentin
Herrn Jochen Haut von der SPD
die Herren Jan to Baben und Thore Feddersen von der CDU
Herrn Sönke Wisnewski vom SSW
Frau Doris Kempe vom Sportbüro der Stadt Flensburg
Herrn Werner Heydorn vom Flensburger Sportverband
Herrn Wolfgang Tenhagen vom Rehabilitationssportverband
Herrn Bernd Bleitzhofer vom Kreisfußballverband SL-FL
Herrn Klaus Petersen von unserem Kooperationspartner Holländerhof
Herrn Frerich Eilts von unserem Nachbarverein TSB
Herrn Dieter Lenz von unserem Nachbarverein DGF
in Vertretung für die vielen Sponsoren unseres Vereins:
die Herrn Lübke von der Firma Ramm Immobilien
Herrn Torsten Peters-Jensen von der Firma Wilhelm Jensen
Und ich begrüße natürlich auch euch, liebe PSV-Mitglieder, die ihr so zahlreich heute erschienen seid. Ich freue mich, dass unter euch auch Edgar Strahl als früherer Vorsitzender mit seiner Frau, unser Ehrenvorsitzender Kurt Gieseler sowie Bernd Gierak, der Sohn unseres langjährigen Vorsitzenden Viktor Gierak, anwesend sind. Eine besondere Freude ist es mir, Günter Straßenburg als ältestes Vereinsmitglied willkommen heißen zu können.
Natürlich steht am Anfang mein Dank für die zahlreichen Geschenke und Glückwünsche zu unserem heutigen Geburtstag. Darüber freuen wir uns sehr, die Geschenke werden wir sehr gern für unsere Sportarbeit einsetzen.
An dieser Stelle einen kompletten Rückblick auf die 90 Jahre des Vereins vorzunehmen, halte ich für unnötig. Wir haben ja eine Festzeitung und andere Schriften zum heutigen Anlass entwickelt, die auf den Tischen ausliegen. Ich möchte jedoch anhand der Historie auf die m. E. drei wesentlichen und richtungsweisenden Epochen eingehen, die für die Entwicklung des Vereins entscheidend waren und sind.
Als erstes sind hier die Kriegsjahre und die Folgezeiten zu nennen. Das ausgesprochene Verbot zum Betreiben eines damals noch polizeidominierten Vereins machte es dem Vorstand sehr schwer, wieder Fuß zu fassen. Die sehr beharrliche Arbeit des seinerzeitigen 1. Vorsitzenden Johe zahlte sich jedoch aus. Dieses schwierige Ringen um die Zukunft und damit den Fortbestand des PSV ist nicht hoch genug zu loben. Es waren Widerstände bei der Militärregierung, aber auch in der deutschen Bevölkerung zu überwinden, bis es endlich gelang, 1948 die Eigenständigkeit wieder zu erringen. Mit den Abteilungen Handball, Faustball, Leichtathletik, Tischtennis und Schwimmen konnten schnell wieder gern angenommene Aktivitäten verzeichnet werden. Die Aufbruchstimmung, die ganz Deutschland erfasst hatte, kam auch unserem PSV zugute. Es war die Generation meiner Eltern und auch Großeltern, die diesen schwierigen Weg beschritt und zum Erfolg führte. Ihnen gilt an dieser Stelle unser aller Hochachtung!
Die zweite entscheidende Episode spielte sich in den Jahren zwischen 1972 und 1982 ab. Der Verein hatte das Sportgelände an der Westerallee übernommen und setzte alles daran, sowohl ein gut nutzbares Vereinsheim herzurichten, als auch den Ausbau des Geländes mit dem heutigen A-Platz voran zu treiben. Viktor Gierak als 1. Vorsitzender war in dieser Zeit als Motor des Vereins zu bezeichnen, ohne dessen Visionen um die Platzerweiterung es sicher nicht geklappt hätte. An dieser Aufgabe aber wäre der PSV fast gescheitert. Die schwierige Finanzierung sowie der sehr hohe Anteil von Eigenleistungen ließen sich nicht auf Dauer bewältigen. Hier half uns die Stadt Flensburg entscheidend. Helmut Schumann als seinerzeitiger Vorsitzender des Sportverbandes Flensburg und gleichzeitig Ratsherr der Stadt sorgte mit seinem Einfluss dafür, dass das Vereinsgelände in die Pflegschaft der Stadt überging und unser Verein sich finanziell wieder erholen konnte. Wäre dieser Weg nicht beschritten worden, hätte es für den PSV nicht auszudenkende Folgen gehabt. Während dieser Zeit war ich als junger Funktionär mit der Aufgabe als Vereinsjugendwart im Vorstand vertreten und habe den Kampf um die Zukunft und die Existenz des Vereins miterlebt. Was insbesondere der Sportfreund Gierak, aber auch die Sportfreunde Brix und Kurzke seinerzeit geleistet haben, verdient unseren Respekt und unsere Anerkennung.
Auch wenn es sich mancher nicht vorstellen kann, so halte ich als dritte entscheidende Episode die heutige Zeit für sehr wesentlich für die Zukunft des Vereins. Dies möchte ich gern begründen: Allen Vereinen ist bewusst, dass sich die Pyramide umgekehrt hat. Waren in den 70er, 80er Jahren noch sehr viele Jugendliche im Verein aktiv, so ist es heute so, dass die älteren Menschen den Verein als sportliche Heimat suchen. Hingegen nimmt die Anzahl der Jugendlichen immer mehr ab. Das hängt natürlich damit zusammen, dass wir sehr geburtenschwache Jahrgänge vorfinden. Wenn ich die neulich im Tageblatt abgedruckten Zahlen richtig interpretiere, dann werden wir in etwa 10 Jahren statt wie bisher ca. 8.000 nur noch ca. 5.000 Schülerinnen und Schüler in unseren Grundschulen haben. Darüber hinaus müssen wir feststellen, dass sich die Jugendlichen nicht mehr so stark vom Vereinsangebot angesprochen fühlen. Hinzu kommt die sehr große zeitliche Belastung durch die Ganztagsschule, die Ablenkungen durch die modernen Medien und nicht zuletzt auch die außerordentlich große Vielfalt von Angeboten. Bedauerlicherweise führt diese Situation dann auch dazu, dass Vereine sich untereinander die Jugendlichen abwerben. Ein reger Wechsel zwischen den Vereinen aber gibt den Jugendlichen leider zu wenig Möglichkeiten, Bindungen einzugehen und sich damit eine soziale Heimat zu schaffen. Alle Bemühungen auch des Landessportverbandes durch Programme wie „Schule und Verein“ haben bislang keine ausreichenden Erfolge erzielt.
Gleichwohl bin ich der Auffassung, dass gerade durch eine positive Zusammenarbeit mit den Schulen mehr erreicht werden könnte. Allerdings erfordert dies auch die Einsicht in vielen Schulen, dass ein Sportverein als gleichwertiger Partner und nicht als Dienstleister angesehen werden darf. Daran scheitert im Augenblick eine konstruktive Zusammenarbeit – letztlich zum Nachteil der Jugend. Hier gibt es noch viel zu tun, die Weichen müssten dringend neu gestellt werden. Das jedoch ist die Aufgabe der Sportverbände und der Schulämter. Wir warten auf die richtigen Impulse und sind gern bereit, praxisnahe Vorschläge einzubringen.
Also muss sich der Sportverein -bei allem Bemühen um die Jugend- neue Aufgaben und Ziele setzen. Diese Zielgruppen sind die ältere Generation, Menschen mit Migrationshintergrund sowie insbesondere Sportlerinnen und Sportler mit Behinderungen. Dies bedeutet eine Veränderung in den Angeboten, eine nachhaltige Ausbildung der Übungsleiter, Schaffung geeigneter Übungsräume und eine Plattform, um soziale Kontakte vermehrt zu schaffen. Dies alles muss jetzt in die Wege geleitet werden, um auch in der mittleren Zukunft sinnvoll Vereinsarbeit betreiben zu können. Wir möchten in ein paar Jahren sagen können, dass wir auch diese dritte so wichtige Episode in der Geschichte des Vereins bewältigt haben. Dazu darf ich dann aber auch gern feststellen, dass wir im PSV hier bereits entscheidend vorangekommen sind. Vieles steht hierzu auch in der Festzeitschrift bzw. den ausliegenden Flyern oder auf unserer Internetseite.
Natürlich muss sich ein Verein mit all seinen Angeboten auch finanzieren lassen. Der Ruf nach mehr Förderung durch die öffentliche Hand wird immer lauter. Immerhin leisten alle Sportvereine eine intensive Sozialarbeit und nehmen den Städten und Kommunen manche Sorgen ab. Das wissen auch die Politiker. Den Forderungen nach mehr Geld stehen dann aber die Machbarkeiten gegenüber. Der deutsche Staat insgesamt hat in den letzten 50 Jahren über seine Verhältnisse gelebt und Schulden angehäuft, die es nun gilt, wieder abzubauen. Profitiert davon hat meine Generation und auch zum Teil die meiner Eltern. Sicher sind wir uns alle darüber einig, dass wir so nicht fortfahren können und es unseren Kindern und Kindeskindern überlassen, für unsere Schulden aufzukommen.
Deshalb ist unserem Verein verständlich, dass es immer schwerer wird, Zuschüsse der öffentlichen Hand für Projekte zu erhalten, oder dass es länger dauert, bis dringend benötigte Investitionen in das Vereinsgelände erfolgen. Es bleibt also die Herausforderung an die Vereine – und damit auch an den PSV -, eigene Wege zur Refinanzierung zu finden. Dass wir dazu bereit sind, haben die erfolgten Investitionen in den Sportbereich des Vereinsheims und die jetzt in Zusammenarbeit mit der Stadt beendete Maßnahme Flutlicht sowie Sanierung des B-Platzes bewiesen. Wir vom PSV wollen diesen Weg so weitergehen, wenn wir dies gemeinsam mit der Politik und der Verwaltung tun können. Gern möchte ich an dieser Stelle mit dem Vorurteil aufräumen, die Stadt Flensburg tue nichts für die Vereine. Allein die Tatsache, dass die Stadt einen erheblichen Pflegezuschuss zur Unterhaltung unseres Vereinsgeländes aufbringt, dass sie keine Miete erhebt für die Nutzung der Schulsporthallen und dass wir Zuschüsse für Übungsleiter erhalten, stellt für uns eine sehr große Entlastung dar. Dies möchte ich ausdrücklich feststellen und an dieser Stelle meinen Dank an die politischen Vertretungen und die Verwaltung aussprechen.
Ohne Unterstützung der Wirtschaft wäre ein Sportverein nur schwer zu führen. Auch wir durften uns in den vielen Jahren immer wieder über Zuwendungen freuen. So haben wir auch heute Vertretungen aus einigen Firmen bei uns, die mit uns unseren Geburtstag feiern. Deshalb möchte ich auch Ihnen unseren Dank aussprechen. Ohne Ihre Unterstützung wäre manche Veranstaltung oder manche Mannschaftsausstattung nicht möglich gewesen.
Was wäre ein Sportverein ohne Ehrenamtler! Viele PSVer engagieren sich in ihrer Freizeit, damit das Vereinsleben aktiv bleibt. Einige davon dürfen wir auch heute begrüßen. Bitte nehmt von dieser Stelle den Dank des PSV entgegen, gebt ihn weiter an alle, die wir heute nicht begrüßen können, und vor allem: Bleibt unserem Verein weiter so engagiert treu.
Es ist uns im PSV wichtig, dass wir auch in Zukunft sportlich aktiv bleiben, um gesund älter werden zu können. Weil wir uns niemals auf Erreichtem ausruhen dürfen, müssen wir immer die nächste Weiterentwicklung ins Auge fassen. „Gestalten statt nur verwalten“ ist der Leitfaden des amtierenden Vorstandes. Daran wollen wir uns halten und in diesem Sinne heute gemeinsam mit allen Anwesenden unser Jubiläum feiern. Ich wünsche uns einen harmonischen weiteren Verlauf der Veranstaltung. Vielen Dank.